Die Ausstellung The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939 im Kunstmuseum Basel widmet sich der frühen Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Begehrens und der Geschlechtervielfalt in der Kunst. Sie beleuchtet anhand von rund achtzig Gemälden, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Fotografien, wie sich ab der ersten öffentlichen Verwendung des Begriffs «homosexuell» im Jahr 1869 neue Bilder von Sexualität, Geschlecht und Identität bildeten. Die vielschichtige Ausstellung öffnet den Blick auf queere Gemeinschaften, intime Porträts, selbstbestimmte Lebensentwürfe, kodiertes Verlangen und koloniale Verflechtungen.
Diese Ausstellung wurde zuerst von Alphawood Exhibitions im Wrightwood 659, Chicago, organisiert, recherchiert und kuratiert von Jonathan D. Katz, Kurator, und Johnny Willis, stellvertretende:r Kurator:in. Für das Kunstmuseum Basel wurde sie in Zusammenarbeit mit den Kurator:innen Rahel Müller und Len Schaller adaptiert.
Der Begriff «homosexuell» wurde 1869 zum ersten Mal im deutschen Sprachraum verwendet und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen substanziellen Wandel. Die Debatte über die Bedeutung des Worts reichte von einer universellen Neigung zur gleichgeschlechtlichen Liebe bis hin zur Konzeption eines «dritten Geschlechts». Ausgangspunkt der modernen Begrifflichkeit war ein Briefwechsel zwischen dem ostfriesischen Juristen Karl Heinrich Ulrichs (1825–1895) und dem ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny (1824–1882). Bereits in den 1860er Jahren beschrieb Ulrichs den «Urning», einen Menschen mit angeborenem gleichgeschlechtlichem Begehren. Dieses erklärte er über eine Geschlechterdifferenz: Urninge bildeten ein «drittes Geschlecht», weder eindeutig männlich noch weiblich, sondern beides zugleich. Diese biologische Begründung der Sexualität verlagerte den Fokus weg von einzelnen sexuellen Handlungen hin zu einem grundlegenden Unterschied, ähnlich wie wir Homosexualität heute verstehen. Kertbeny schlug einen anderen Weg ein. Er lehnte die Idee einer angeborenen, biologischen Identität ab und setzte stattdessen auf ein universelles Menschenrecht auf Begehren. 1869 prägte er in zwei anonym verbreiteten Flugschriften die Wörter «homosexual» und «heterosexual».
Gerda Wegener, Lili med fjerkost, 1920, Privatsammlung, Dänemark © 2014 MORTEN PORS FOTOGRAFI. All Rights Reserved
The First Homosexuals erzählt vom Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. In sechs Sektionen werden Künstler:innen und Schriftsteller:innen vorgestellt, die sich offen mit homosexuellen und trans Identitäten auseinandersetzten und diese teilweise auch lebten. Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Aktdarstellung im Zusammenhang mit den sich wandelnden Vorstellungen von Sexualität und zeigt, wie Freundschaft und vertraute kunsthistorische Motive als diskrete (und in einigen Fällen auch nicht so diskrete) Codes für gleichgeschlechtliches Verlangen dienten. Der Blick geht über Europa hinaus und untersucht, wie gewisse europäische Künstler:innen kolonialen Gebieten gleichgeschlechtliches Verlangen als inhärent zuschrieben – und wie, als Antwort darauf, Künstler:innen weltweit diese koloniale Vorherrschaft in Frage stellten und sich ihr widersetzten.
The First Homosexuals zeichnet sowohl das kulturelle und künstlerische Schaffen als auch die frühe Geschichte der LGBTQIA+-Community nach. Die Ausstellung und die dazugehörige Publikation zeigen die wechselseitige Prägung homosexueller und trans Identitäten sowie die Herausbildung einer eigenständigen Transidentität, wie sie moderne Künstler:innen seit der Einführung des Begriffs «trans» im Jahr 1910 entworfen haben.
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
AUSGEBUCHT!
Auf Englisch: Costs: Admission + CHF 7
KURATOR:INNENFÜHRUNG
NEUBAU
18:30–19:30
AUSGEBUCHT!
Mit Kurator:in Len Schaller. Kosten: Eintritt + CHF 7
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Kosten: Eintritt + CHF 7
FÜHRUNG
NEUBAU
12:30–13:00
Mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Dedi. Kosten: Eintritt
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Kosten: Eintritt + CHF 7
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Auf Englisch: Costs: Admission + CHF 7
FÜHRUNG
NEUBAU
12:30–13:00
Mit Kurator:in Len Schaller. Kosten: Eintritt
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Kosten: Eintritt + CHF 7
FÜHRUNG
HAUPTBAU
12:30–13:00
Mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Provenienzforschung Katharina Georgi-Schaub. Kosten: Eintritt
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Kosten: Eintritt + CHF 7
PROGRAMMTAG
NEUBAU
10:00–17:45
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBIT) sowie des Internationalen Museumstags 2026 eröffnet das vielfältige Programm neue Perspektiven auf die wissenschaftlichen Debatten der Zeit. Kosten: Eintritt + CHF 7 / Kostenlose Teilnahme
PROGRAMMTAG
NEUBAU
11:00–12:15
Auf Englisch: Stummfilm von Richard Oswald, Deutschland, 1919, 50 Min., mit deutschen und englischen Zwischentiteln. Mit einer Einführung von Johnny Willis, stellvertretende:r Kurator:in. Kostenlose Teilnahme, mit Anmeldung
PROGRAMMTAG
NEUBAU
11:00–14:30
Inspiriert von ausgewählten Themen der Ausstellung «The First Homosexuals» arbeitet der Künstler Marc Bauer an der Wandzeichnung in der Passage im Souterrain. Kostenlose Teinahme
PROGRAMMTAG
NEUBAU
13:00–14:30
Auf Englisch: Gesprächsrunde mit Jonathan D. Katz, Kurator, Charlotte Matter, Laurenz-Assistenzprofessorin für zeitgenössische Kunst an der Universität Basel, und Len Schaller, Kurator:in. Kostenlose Teilnahme
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Auf Englisch: Costs: Admission + CHF 7
PROGRAMMTAG
NEUBAU
16:00–16:45
Diese Tandemführung lädt dazu ein, die Ausstellung durch queere Perspektiven neu zu sehen. Kosten: Eintritt + CHF 7
FÜHRUNG
NEUBAU
15:00–16:00
Kosten: Eintritt + CHF 7



