Was ist Provenienz?

Die Provenienz (von lat. provenire = her[vor]kommen, entstehen) gibt die Herkunft oder den Ursprung einer Person oder Sache an. Im Kunstbereich bezeichnet die Provenienz die Abfolge der nachweisbaren Besitzer_innen bzw. Eigentümer_innen sowie die Besitz- und Eigentumswechsel eines Kulturgutes. Eine möglichst lückenlose Provenienz eines Kunstobjekts ist genauso wichtig wie seine möglichst genaue Datierung und Zuschreibung.

Washingtoner Richtlinien

Die Schweiz hat die 1998 verabschiedeten Washingtoner Richtlinien unterzeichnet und sich damit zu systematischer Erforschung der Provenienz ihrer Kunstbestände verpflichtet. Diese Recherche ist nicht nur eine Übernahme historischer Verantwortlichkeit und ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft, sondern auch eine Möglichkeit, die eigene Geschichte besser kennenzulernen und damit wichtiges Wissen zu gewinnen.

Abteilung Provenienzforschung

Das Kunstmuseum Basel baut seit 2019 mit Unterstützung der Ernst-Göhner-Stiftung eine Abteilung Provenienzforschung auf, die sich langfristig mit der Erforschung der Provenienzen der Werke aus der Sammlung beschäftigt. Die Priorität liegt dabei auf der Provenienzklärung der Kunstwerke im Besitz der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 in die Sammlung gelangten. Darüber hinaus ist auch die Bearbeitung von externen Anfragen zur Sammlung ein Ziel, etwa im Zusammenhang mit dem internationalen Leihverkehr im Ausstellungsgeschäft. Die Abteilung ist zudem bei der Aufarbeitung des hauseigenen institutionellen Archivs intensiv beteiligt. Wichtig sind weiter die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe Provenienzforschung des Kunstmuseums Basel sowie der Austausch mit den Provenienzforscher_innen im In- und Ausland (etwa im Rahmen des Arbeitskreises Provenienzforschung Schweiz und des deutschen Arbeitskreises Provenienzforschung).

Provenienzen erzählen

Die Informationen über die Provenienz von Kunstwerken stammen aus Quellen unterschiedlicher Natur; von Sammlungsinventaren und Ankaufsquittungen bis hin zu Ausstellungkatalogen, Briefwechseln und Presseberichten. Dieser Quellenreichtum wird letztlich zu einer knappen Auflistung der Vorbesitzer gekürzt, die oftmals noch Lücken aufweist. Diese Provenienzlücken sind aufschlussreich, weil sich darin oft die Dramen der wechselnden globalen Machtdynamik verbergen. Die Provenienzlücken der Kunstobjekte, die während der NS-Zeit die Eigentümer gewechselt haben, oder der Kulturgüter, die aus den Kolonialgebieten stammen, können durchaus problematisch sein und ethische Fragen aufwerfen.
Provenienz ist daher nicht nur eine Auflistung der Eigentümer_innen eines Kulturgutes, sondern auch eine Aufzeichnung des mit der Kunst verbundenen sozialen Lebens. Der Abteilung Provenienzforschung ist es ein Anliegen, die Geschichte des Kunstmuseums Basel und den damit verbundenen Teil der Sammlungsgeschichte vertieft zu erforschen und dem Publikum durch verschiedene Vermittlungsformate nahezubringen.

Laufende Projekte

Die laufenden Drittmittel-Projekte zu Provenienzen in der NS-Zeit sind:
• Provenienzen der Erwerbungen aus den Jahren 1946 bis 1962 (Gemälde und Skulpturen). Erforschung – Dokumentation – Publikation (2019-2020)
• Zeichnungen mit Eingangsjahr 1933-1945 im Kupferstichkabinett der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Projekt zur Erforschung, Dokumentation und Publikation der Provenienzen (2019-2020)

Abgeschlossene Projekte

• Erwerbungen der Öffentlichen Kunstsammlung Basel in den Jahren 1933-1945 (Gemälde und Skulpturen). Projekt zur Erforschung, Dokumentation und Publikation der Provenienzen, (2016-2018) (-> Zum Projekt)

Team

Dr. Anita Haldemann, Leitung a.i.

Dr. Joanna Smalcerz,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
joanna.smalcerz@bs.ch

Dr. Katharina Georgi,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
katharina.georgi@bs.ch

Lena Lehmann,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
lena.lehmann@bs.ch