Tacita Dean

Antigone

Gegenwart / 08.05.–05.09.2021 / Kuratorinnen: Heidi Naef, Isabel Friedli

Mit Antigone (2018) wird im Kunstmuseum Basel | Gegenwart das jüngste und bisher komplexeste Werk von Tacita Dean erstmals in der Schweiz gezeigt. Das einstündige Epos bringt ihr Gespür für die subtile Verflechtung von mythologischen Figuren, persönlicher Geschichte und zufälligen Geschehnissen zum Ausdruck. Werkstoff der britisch-europäischen Künstlerin ist der analoge Film, den sie aufgrund seiner vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten und der körnigen Brillanz wegen schätzt. Aber auch Fotografie, Druckgrafik, Zeichnung und das Schreiben sind Techniken, die sie meisterhaft beherrscht.

Die Idee zu Antigone verfolgte die Künstlerin schon seit Jahrzehnten: Antigone ist der Name ihrer älteren Schwester, aber auch der tragischen Heldin im gleichnamigen Stück des griechischen Tragödiendichters Sophokles. Seit Deans erster Begegnung mit dem literarischen Stoff liess sie die Frage nicht los, was in dem Zeitraum geschieht, in dem der blinde König Ödipus an der Seite seiner Tochter und Schwester Antigone durch die Wildnis irrt.

Zentrales Thema von Antigone ist die Blindheit: Die künstlerische Blindheit – Dean lässt sich immer auch von Zufall lenken und räumt Unvorhergesehenem Platz ein. Die technische Blindheit: ihre durch Maskierung und Mehrfachbelichtungen zu verschiedenen Zeiten und an wechselnden Orten entstandenen Bildfindungen konnte sie erst sehen, nachdem das Negativ im Labor entwickelt und gedruckt worden war. Dann die Blindheit von König Ödipus, der sich angesichts seiner unwissentlich begangenen Verbrechen selbst blendete und aus der Stadt Theben verbannte. Und schliesslich die Blindheit der Natur: Inneres Uhrwerk von Antigone ist eine Sonnenfinsternis, die Dean in Wyoming gefilmt hat. In der filmischen Doppelprojektion verweben sich die thematischen Fäden zu einer Dramaturgie, deren Einheit von Ort, Zeit und Handlung wie durch ein Prisma in einen Fächer aus strahlenden Bildern aufgebrochen wird.