Geschichte

Die lange Geschichte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Mit dem Ankauf des Amerbach-Kabinetts, einer humanistisch geprägten Privatsammlung, deren Ursprünge auf die Zeit vor der Reformation zurückgehen, gelangte Basel im Jahr 1661 als erstes städtisches Gemeinwesen in den Besitz einer Kunstsammlung. Dies lange bevor in anderen Städten Europas fürstliche Sammlungen dem Publikum zugänglich gemacht wurden. Das universalistisch angelegte Kabinett, das u.a. auch naturgeschichtliche und ethnografische Objekte sowie eine Bibliothek enthielt, umfasste beim Tod von Basilius Amerbach (1533 –1591), Enkel eines der grossen Buchdrucker und Sohn eines bedeutenden, mit Erasmus eng befreundeten Rechtsgelehrten, gegen 50 Gemälde, darunter 15 von Hans Holbein d.J., sowie ein sehr grosses Konvolut an Zeichnungen und druckgrafischen Blättern.

1661 drohte dem Amerbachschen Kabinett der Abgang nach Amsterdam. Professoren der Basler Universität griffen ein, um die grossartige Sammlung der Vaterstadt zu sichern. Bürgermeister Johannes Rudolf Wettstein und der Grosse Rat zeigten Verständnis, und so wurde die Sammlung für die hohe Summe von 9000 Reichstalern angekauft. Der Rat der Stadt übernahm zwei Drittel, die Universität, die in der Folge die Sammlung und die angegliederte Bibliothek verwaltete, einen Drittel. 1671 wurde das Kunstkabinett im Haus „zur Mücke“ nahe dem Münsterplatz als eine der besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1823 stiess zur Amerbachschen Kunstsammlung, bereichert durch einzelne Zuwendungen des Rates und privater Schenker, das vom Rechtsgelehrten Remigius Faesch (1595-1667) angelegte Museum Faesch. Neben weiteren Gemälden Hans Holbeins d.J. enthält es bedeutende Werke oberrheinischer Kunst vom 15. – 17. Jahrhundert und mehrte insbesondere auch das Kupferstichkabinett auf substantielle Weise. Die immer offensichtlicher werdende Raumnot konnte 1849 durch den Umzug in den spätklassizistischen Vielzweckbau von Melchior Berri an der Augustinergasse gelindert werden, in dem sich heute noch das Naturhistorische Museum und das Museum der Kulturen befindet. Eine Gefährdung von Universität und Kunstsammlung stellte 1833 die Teilung des einstigen Standes Basel in zwei Halbkantone dar. Als Teil des Universitätsgutes wurden die Sammlungsbestände schliesslich gegen einen Schätzpreis von 22'000 Franken der Stadt überlassen und konnten so unbeschadet zusammengehalten werden.

Trotz grösserer Schenkungen und Vermächtnisse im 19. Jahrhundert, denen man einen bedeutenden Zuwachs an niederländischer Kunst vom 15. bis 17. Jahrhundert und von deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts verdankt, blieb die Oberrheinische Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts Kern des Altmeisterbestandes. Als Geschenke von Basler Familien gelangten schrittweise elf Tafeln von Konrad Witz aus der Sammlung des Markgrafen von Baden in die Sammlung.

Vor allem das Legat des Basler Malers und Kunsthändlers Samuel Birrmann (1793-1847) eröffnete seit 1855 durch einen Fonds, der zeitgenössischer Schweizer Kunst vorbehalten blieb, eine eigentliche Ankaufspolitik, dies unter der Aegide der Museumskommission, die bis heute über Ankäufe, Legate und Geschenke befindet. So konnte eine grosse Werkgruppe von Arnold Böcklin zusammengetragen werden, die repräsentativste Sammlung des Künstlers überhaupt. Seit 1903 stellte auch der Stadtkanton anfänglich bescheidene Ankaufsmittel zur Verfügung, die letztmals 2002 erhöht wurden.

1936 konnte endlich ein eigens für die Öffentliche Kunstsammlung errichteter Bau der Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz am St. Alban Graben bezogen werden, das Kunstmuseum Basel, wie man es heute kennt. Es ist in den letzten Jahren einer gründlichen Sanierung unterzogen worden.

Seit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann man, zuerst unter Otto Fischer, mit dem Aufbau einer Sammlung moderner Kunst mit internationaler Ausrichtung, die das Gesamtprofil wesentlich verändern und prägen sollte. Insbesondere Georg Schmidt betrieb den Ausbau der Sammlung auf energische Weise. Einen Durchbruch bedeutete 1939 der Ankauf von deutschem Museumsgut, das als „entartet“ diffamiert war.

Mit immer noch relativ bescheidenen Ankaufsmitteln, hie und da um einen staatlichen Sonderkredit ergänzt, konnte eine repräsentative Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts aufgebaut werde, die über die Jahre zu einer der bedeutendsten weltweit werden sollte. Wesentlich waren aber auch hier Schenkungen von privater Seite, so die hervorragende Kubisten-Sammlung von Raoul La Roche und zahlreiche Deposita von Stiftungen, so der 1933 gegründeten Emanuel Hoffmann-Stiftung, aber auch der Stiftung Im Obersteg (2004).

1959 konnte das Kunstmuseum dank der Schenkung der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft als erstes europäisches Museum amerikanische Kunst des Abstrakten Expressionismus zeigen. Der von Generation zu Generation übertragene Kunstsinn der Basler Bürger und ihre Verbundenheit mit dem Kunstmuseum wurde sprichwörtlich durch eine Volksabstimmung von 1967, die den Verbleib zweier Spitzenwerke von Pablo Picasso sicherte, die als langjährige Leihgaben der Sammlung Rudolf Staechelin sozusagen zur Identität des Museums gehörten.

Unter Franz Meyer setzte sich in den sechziger Jahren der Ausbau der Abteilung moderner Kunst fort, und die Gegenwartskunst gewann systematisch an Spielraum, vor allem amerikanische Kunst , aber auch Joseph Beuys. Christian Geelhaar und Katharina Schmidt arrondierten dieses Engagement für noch nicht allgemein akzeptiertes zeitgenössisches Kunstschaffen und das Sammeln in Schwerpunkten entlang gewisser Leitlinien. Die konsequente Weiterentwicklung der Sammlung auf hohem qualitativen Niveau unter Einbezug der neuen künstlerischen Medien und den jüngsten künstlerischen Errungenschaften gilt auch der jetzigen Direktion und Museumskommission als Direktive.

Dank einer Schenkung von Maja Sacher-Stehlin, in Zusammenarbeit mit der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Christoph Merian-Stiftung, konnte 1980 am St. Alban-Rheinweg in einer alten Industrieliegenschaft das Museum für Gegenwartskunst als Zweigstelle für das aktuelle Kunstschaffen eingerichtet werden. Die Enkelin Maja Sachers wiederum, Maja Oeri, errichtete 2003 mittels der Laurenz-Stiftung das Schaulager für diejenigen Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung, die nicht im Kunstmuseum oder dem Museum für Gegenwartskunst zu sehen sind.  Zur Erweiterung der Öffentlichen Kunstsammlung Basel und des Kunsthistorischen Seminars schenkte Maja Oeri 1999 der Stadt Basel das frühere Nationalbankgebäude, das am St. Alban-Graben ans Kunstmuseum grenzt. Durch die Verlagerung von Bibliothek, Verwaltung und Kunsthistorischem Seminar der Universität gewinnt das Kunstmuseum im Hauptgebäude neue Ausstellungsflächen sowie publikumsfreundliche Zonen und hält Schritt mit den Herausforderungen einer neuen Museumslandschaft.