Hans Holbein d. J.

"Bildnis eines Mannes mit rotem Barett" (1532/33)

Hans Holbein d. J. zeichnete 1532/33 das Porträt eines Mannes, welches sich im Kupferstichkabinett Basel befindet (Inv. Nr. 1662.6). Es handelt sich dabei um eine aquarellierte, weiss gehöhte Kreide-, Rötel-, Kohle- und Tuschezeichnung auf Vergé-Hadernbüttenpapier. Sie stammt aus dem Amerbach-Kabinett, welches 1661 durch die Stadt Basel angekauft wurde.

Die Restaurierung des Porträts drängte sich auf, nachdem es aufgrund seines schlechten Erhaltungszustandes nicht mehr gezeigt werden konnte.
Die Schäden am »Bildnis eines Mannes mit rotem Barett« sind über die Jahrhunderte hinweg entstanden. Die Gründe dafür sind vielfältig: ungünstige klimatische Bedingungen, unzureichende Magazine und nicht zuletzt auch die zahlreichen früheren Eingriffe, die am Werk vorgenommen wurden. So wurde das Porträt vermutlich bereits im 18. Jh. wegen des schlechten Zustands des Hintergrundes entlang der Umrisse ausgeschnitten. Da die Zeichnung bis ins frühe 20. Jh. fälschlicherweise für ein Selbstporträt des Künstlers gehalten wurde, dürfte sie besonders oft gezeigt worden sein. Dies führte unter anderem zu besonders stark ausgeprägten Licht- und Klimaschäden.

Nach einer ausführlichen Dokumentation in Text und Bild sowie materialtechnischen Untersuchungen wurde ein Konservierungskonzept erarbeitet. Als Grundprinzipien der Restaurierung waren die Reversibilität, die Beibehaltung des altersgemässen Erscheinungsbildes, die Erhaltung der Originalsubstanz und die Nachhaltigkeit der Eingriffe zu beachten. Bevor die eigentlichen Restaurierungsarbeiten am äusserst fragilen Original beginnen konnten, wurden besonders heikle Arbeitsschritte an einem vergleichbaren Testobjekt erprobt und ausgewertet, was wichtige Erkenntnisse lieferte.

Dank der umfassenden Voruntersuchungen und der vorsichtigen Vorgehensweise kann die Konservierung des äusserst fragilen Werkes als Erfolg bezeichnet werden. Alte Hinterklebungen und eine darüberliegende Japanpapier-Kaschierung konnten mit Wasser-Aerosolen partiell entfernt werden. Durch die Reinigung auf dem Niederdrucktisch konnten neben den Verunreinigungen ein beachtlicher Teil des für die Kaschierung verwendeten Klebstoffes aus dem Papierfilz entfernt werden, was die Spannungen und die Versprödung des Blattes massiv reduzierte.

Hingegen konnten die schwarz-braunen Flecken im Gesicht leider nicht entfernt werden. Diese vermutlich chemisch veränderten Pigmente konnten infolge einer zu geringen Materialmenge nicht analysiert werden, weshalb eine darauffolgende Behandlung nicht in Frage kam. Experimente verboten sich gerade in diesem äusserst heiklen Bereich des Werkes. Durch die lokale Behandlung auf dem Niederdrucktisch konnten jedoch die schwarzen Flecken an der Stirn und unter dem Auge reduziert werden. Die anschliessend vorgenommenen Fehlstellenergänzungen, die Stabilisierung der zahlreichen fragilen Partien und Risse sowie die schonend vorgenommene Kaschierung des Werkes mit Japanpapier haben die mechanischen Eigenschaften des Papiers verbessert und tragen massgeblich zur Erhaltung des Werkes bei.

Durch die Montierung des Objektes auf dem eigens dafür entwickelten Magnetspannrahmen kann es ohne Einsatz von Feuchtigkeit und ohne Beschädigung des überstehenden Japanpapiers vom Rahmen entfernt werden. Die Notwendigkeit von künftigen Manipulationen am Original – beispielsweise für eine Neumontierung – werden dadurch auf ein Minimum reduziert.

Der im Vergleich zu den anderen Holbein-Porträts mit blauem Hintergrund etwas hellere und gleichmässigere Farbauftrag der Rekonstruktion wurde bewusst so gewählt, dass er die Zeichnung nicht zu stark dominiert. Die materialtechnischen Untersuchungen lieferten zudem interessante Erkenntnisse über die Mal- und Zeichentechnik Holbeins sowie über die Geschichte des Porträts.

Museum für Gegenwartskunst Kunstmuseum Basel