Emanuel Büchel

"Der Todtentanz auf dem Prediger Kirchhof zu Basel" (1773)

Der berühmte Totentanz zu Basel wurde um 1440 von einem unbekannten Künstler auf die Innenseite des Friedhofsmauer neben der Predigerkirche gemalt. Die Darstellung bildete einen fast 60 Meter langen fortlaufenden Streifen mit lebensgrossen Figuren. Rund 320 Jahre später hatte Emanuel Büchel eine mindestens viermal übermalte Fassung vor Augen. Basierend auf dessen sorgfältigen Übertragung entstanden leuchtende Gouachen. Emanuel Büchel überreichte die Illustrationen 1773 dem Basler Rat in der vorliegenden gebundenen Ausgabe. Dieser Band wurde später in die Universitätsbibliothek aufgenommen und gelangte schliesslich ins Kupferstichkabinett.

Der Einband des »Todtentanzes« war so stark beschädigt, dass wir uns entschlossen haben, die Restaurierung des Werks in Angriff zu nehmen.
Nach einer ausführlichen Dokumentation in Text und Bild wurde ein Konservierungskonzept erarbeitet. Damit sich das heutige Schadensbilds nicht wiederholt, wurde davon abgesehen den originalen Bucheinband wieder zu nutzen, noch eine Imitation in der selben Technik herzustellen. Wir haben uns für die Erneuerung des Einbands in Form eines sogenannten Konservierungseinbands entschieden: Die Originalsubstanz des Einbands wurde dem Inhalt und der Funktionsfähigkeit des Buches untergeordnet. Die Originalsubstanz der Heftung und des Einbandes wurde einer ausführlichen Dokumentation beigelegt, um das Erscheinungsbild des ursprünglichen Zustands für die Zukunft zu erhalten.
Aus der Vielzahl der verschiedenen Konservierungseinbänden wählten wir uns für die «Hard-Board laced-in Conservation Binding» von Robert Espinosa.

Der Buchblock wurde mit Hilfe einer Retentionskompresse (Methylhydroxipropylcellulose-Gel MHPC 3000) vom Einband getrennt. Die Hinterklebungen am Rücken blieben grösstenteils am Rückenleder haften. Der verwendete Klebstoff liess sich aufgrund seiner hydrophilen (wasserlöslichen). Eigenschaft wiederum mit Retentionskompressen und nachträglicher Bearbeitung mit dem Preservation Pencil (erwärmte Wasser-Aerosole) entfernen. Anschliessend konnten die einzelnen Lagen durch das Zerschneiden des Heftfadens in der Lagenmitte aus dem Heftverbund gelöst werden.

Die Papiere wurden an den abgegriffenen Stellen trocken gereinigt, Brüche und Knicke durch Befeuchten mit temperierten Wasser-Aerosolen (Preservation Pencil) und anschliessendem Beschweren reduziert. Risse und andere Schwachstellen wurden mit Japanpapier und Weizenstärkekleister geschlossen, Fehlstellen mit passendem Hadern-Büttenpapier ergänzt.

Nach diesen Arbeitsschritten wurden von allen Farbtafeln sowohl Schwarz-Weiss- als auch Farbfotografien für spätere Publikationen angefertigt.

Da der Buchblock einen dreiseitigen roten Farbschnitt aufweist, musste die Zusammenstellung der Lagen äusserst sorgfältig vorgenommen werden. Für die neue Fischgrätheftung wurden die alten Heftlöcher wiederverwendet. Anstelle des Fitzbundes wurde am Kopf- bzw. Fussschnitt ein Kapitalbund mitgeheftet. Für die Doppelbünde ist eine Heftkordel (100% Leinen) 8-fädig zum Einsatz gekommen. Zur Verstärkung der innersten Lagen wurde in jeder Lagenmitte ein Pergamentfalz (doppelseitig geschliffenes Schafspergament, 0.15mm dick) mitgeheftet. Diese Massnahme bewirkt eine grössere Falzsteigung. Umso wichtiger ist die Wahl des Heftfadens zumal diese Einbandtechnik nur eine sehr geringe Falzstärke verlangt.

Der geheftete Buchblock wurde in der Presse nur von Hand in Form gebracht. Ein leichtes Abpressen erfolgte ausschliesslich mit dem Falzbein. Ein Ableimen des Rückens war nicht zwingend notwendig und wurde daher nicht ausgeführt.
Für die Deckel wurden säurefreie Vollpappen auf die nötige Dicke kaschiert. Die Kantenform wurde den Deckeln von deutschen Einbänden aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden. (Konservierungseinbänden dienen meist historische Einbände als Grundlage.)
Die Bünde wurden durch die vorgebohrten Löcher an den Deckeln eingeschlauft, festgezogen, verklebt und von innen nach aussen verpflockt. Die Bundresten wurden aussen mit der Deckelfläche plan abgeschnitten.

Der grosse Vorteil dieses Konservierungseinbandes ist es, dass der Rückenbereich kein Klebsttoff enthält. Bleibt der Rücken unverklebt, ist die Flexibilität der Bünde und des Bezugsleders grösser. Somit wird auch das Einbandleder nicht auf den Rücken des Buches geklebt. Nach dem Einledern werden in der Handvergoldepresse die Bünde mit Schnur abgepresst und die Zwischenräume mit Leder- oder Filzstücken und einer Bandage niedergepresst.

Durch den Sattlerstich an den Kapitalbünden entsteht eine mechanische Verbindung zwischen dem Lederüberzug und der Bindestruktur des Buchblocks. Durch ihn wölbt sich das Bezugsleder beim Öffnen des Buches konvex nach innen. Dies stützt die Heftung und hält die Deckel beim Öffnen im Falz. Zum Schluss wurde das überschüssige Leder zurückgeschnitten.
Zuletzt wurde ein Aufbewahrungsbehältnis für den Konservierungseinband, den Originaleinband und die Fragmente angefertigt.

Museum für Gegenwartskunst Kunstmuseum Basel